Ich habe mich in der Beziehung selbst verloren
Kurz gesagt
Sich in einer Beziehung selbst zu verlieren passiert meistens langsam, über viele kleine Momente, in denen du dich angepasst hast, damit es keinen Stress gibt. Irgendwann weißt du genau, was er braucht, aber kaum noch, was du selbst willst. Zurück zu dir findest du selten über einen großen Schritt, eher über viele kleine Momente, in denen du wieder bei dir nachfragst und dabei bleibst.
Vielleicht hast du dich dabei ertappt, wie du im Supermarkt stehst und überlegst, was ihr zum Abendessen machen könntet. Was er mag, was die Kinder essen, was schnell geht. Und dann fragt dich jemand, was du eigentlich gern essen würdest, und dir fällt nichts ein. Nicht, weil du keinen Hunger hast. Eher, weil die Frage nach dir irgendwann einfach nicht mehr vorkam.
So fühlt es sich oft an, wenn man sich in einer Beziehung selbst verloren hat. Nicht dramatisch, nicht mit einem großen Knall. Eher so, als wärst du irgendwann leiser geworden, ohne es zu merken.
Wie verliert man sich in einer Beziehung selbst?
Meistens ganz langsam, über viele kleine Momente. Du sagst einen Wunsch, er reagiert genervt, du nimmst ihn zurück. Du willst eigentlich etwas anderes machen am Wochenende, aber es ist einfacher, mitzugehen. Du merkst, dass dich etwas stört, aber du willst keinen Streit, also schluckst du es runter. Jedes Mal für sich ist es keine große Sache. Aber nach zehn Jahren hast du so oft zurückgesteckt, dass du gar nicht mehr genau weißt, was du eigentlich willst.
Bei mir hatte das eine lange Vorgeschichte. Ich habe sehr früh gelernt, Stimmungen zu lesen, mich anzupassen und bloß keine Umstände zu machen. In meiner Beziehung ging mein Blick bei jedem kleinen Konflikt sofort zu ihm. Ist er genervt? Habe ich was Falsches gesagt? Muss ich es erklären? Ich bin mit einem eigenen Gefühl in ein Gespräch reingegangen und habe es unterwegs verloren, weil ich auf einmal vor allem damit beschäftigt war, dass zwischen uns wieder alles gut ist. Und die Frage, was ich eigentlich fühle, stand dann schon wieder ganz hinten.
Woran du merkst, dass du dich selbst verloren hast
- Du weißt genau, wie es ihm geht, aber nicht so genau, wie es dir geht.
- Auf die Frage “Was würdest du gern machen?” fällt dir erst mal nichts ein.
- Du sagst schneller “Ist doch egal” oder “Mir ist das nicht so wichtig”, als du merkst.
- Hobbys, Freundinnen, Dinge, die dir früher Freude gemacht haben, sind irgendwie verschwunden.
- Du fühlst dich leer oder taub, wenn du in dich reinhörst.
Wenn du hier öfter innerlich genickt hast: Das heißt nicht, dass mit dir etwas falsch ist. Es heißt, dass du über lange Zeit sehr viel auf andere geachtet hast. Das ist eine Fähigkeit, die dir wahrscheinlich irgendwann sehr geholfen hat. Sie ist nur gerade zu groß geworden.
Warum Verstehen allein nicht reicht
Vielleicht verstehst du schon ziemlich gut, warum du so bist. Mir ging es genauso. Ich konnte irgendwann ziemlich gut erklären, woher meine Angst vor Ablehnung kommt, und war trotzdem angespannt, sobald er sich zurückgezogen hat. Ich wusste, dass ich Nein sagen kann, und habe mich trotzdem schuldig gefühlt. Das fand ich anfangs wahnsinnig frustrierend.
Geholfen hat mir, auf zwei Ebenen zu arbeiten: anzuschauen, welche alten Überzeugungen in mir sofort anspringen (dafür war Hypnose für mich unglaublich wertvoll), und meinem Körper nach und nach andere Erfahrungen zu ermöglichen. Denn das Anpassen passiert meistens schneller, als du denken kannst. Er guckt genervt, und du ruderst schon zurück, bevor dein Kopf überhaupt mitbekommen hat, was passiert ist.
Wie du dich Stück für Stück wiederfindest
- Frag dich jeden Tag einmal, was du gebraucht hättest. Nicht er, nicht die Kinder, nicht der Job. Du. Am Anfang kommt vielleicht nur “keine Ahnung”. Das ist okay. Mit der Zeit wird die Antwort deutlicher.
- Gib dir Momente, in denen du nichts leisten musst. Ich musste tatsächlich üben, fünf Minuten nichts zu tun, einen Kaffee zu trinken und aus dem Fenster zu schauen, ohne dabei schon den nächsten Plan zu machen. Klingt banal, war es für mich aber überhaupt nicht.
- Hol dir eine kleine Sache zurück. Etwas, das dir früher Freude gemacht hat. Nicht als großes Projekt, eher als kleines Ritual.
- Bleib bei einem Wunsch. Such dir etwas Kleines aus, sag es, und nimm es nicht gleich wieder zurück, wenn er genervt reagiert. Das ist unangenehm. Aber genau in diesen Momenten kommst du dir selbst wieder näher.
Womit du anfangen könntest
- Wenn du dich insgesamt leer fühlst und dich an fast nichts mehr freuen kannst: Sprich bitte zuerst mit deiner Hausärztin oder einer Psychotherapeutin.
- Wenn du erst mal herausfinden willst, wo du stehst: Mach den Selbstcheck. Er zeigt dir auch, was bei dir schon da ist.
- Wenn du für dich anfangen willst, mit kleinem Budget: Das E-Book Was brauche ich eigentlich? ist genau dafür gemacht. Und in meiner kostenlosen Community findest du Übungen und Audios.
- Wenn du merkst, dass du in Gesprächen immer wieder einknickst: Lies Nein gesagt und jetzt ist er sauer.
- Wenn du das schon lange mit dir herumträgst und allein immer wieder an derselben Stelle landest: Dann ist das genau der Punkt, an dem ich in Zurück zu mir ansetze. Der Name ist kein Zufall. Im kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir, ob das gerade das Richtige für dich ist.
Du bist nicht verschwunden. Du bist nur sehr leise geworden. Und mit jedem kleinen Moment, in dem du bei dir nachfragst, wirst du ein bisschen lauter.