Berührung fühlt sich wie eine Erwartung an

Von Aleksandra Veröffentlicht am 3 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt

Wenn sich Berührung eher wie eine Erwartung anfühlt als wie Nähe, steckt oft das Gefühl dahinter, dass aus einer Umarmung gleich mehr werden soll, oder dass du Nähe geben musst, obwohl du gerade selbst kaum etwas übrig hast. Das ist in langen Beziehungen nichts Seltenes und kein Zeichen, dass mit dir etwas nicht stimmt. Oft hilft es, Berührung wieder von Erwartung zu trennen, zum Beispiel mit Nähe, die bewusst zu nichts führen muss.

Er kommt von hinten, legt dir die Arme um die Taille, während du in der Küche stehst. Eigentlich eine schöne Geste. Und trotzdem zieht sich in dir etwas zusammen. Vielleicht weil du schon ahnst, dass er später mehr will. Vielleicht weil du nach so einem Tag einfach nichts mehr geben kannst. Vielleicht weil du gar nicht genau weißt, warum.

Und dann kommt das schlechte Gewissen. Er ist doch zärtlich. Er will doch nur Nähe. Was stimmt nicht mit mir?

Warum sich Berührung wie eine Erwartung anfühlen kann

Oft steckt eine von diesen Erfahrungen dahinter, oder mehrere auf einmal:

  • Aus Nähe wird immer gleich mehr. Wenn eine Umarmung meistens der Anfang von Sex ist, fängt der Körper irgendwann an, schon bei der Umarmung vorsichtig zu werden. Nicht, weil du ihn nicht magst, eher, weil du gar keine Nähe mehr bekommst, die einfach nur Nähe sein darf.
  • Du hast selbst kaum noch etwas übrig. Wer den ganzen Tag für alle da ist, hat abends oft keine Kraft mehr für die Bedürfnisse noch eines Menschen. Dann fühlt sich jede Berührung wie eine weitere Aufgabe an.
  • Zwischen euch ist emotional etwas abgerissen. Wenn du dich im Alltag nicht gesehen fühlst, ist körperliche Nähe schwer. Für viele Frauen kommt die Nähe im Körper erst, wenn sie sich auch innerlich verbunden fühlen.
  • Dein Körper ist insgesamt angespannt. Wenn du über lange Zeit unter Stress stehst, kann es sein, dass du dich in deinem eigenen Körper kaum noch spürst. Dann ist es schwer, Berührung zu genießen, egal von wem.

Was dieses Gefühl mit eurer Beziehung macht

Häufig entsteht ein Kreislauf, den beide nicht wollen. Er sucht Nähe, du ziehst dich zurück. Er fühlt sich abgewiesen und zieht sich auch zurück, oder versucht es umso öfter. Du fühlst dich dadurch noch mehr unter Druck. Und irgendwann reden beide nicht mehr darüber, weil es jedes Mal wehtut.

Das Fiese ist, dass ihr euch dabei beide nach etwas Ähnlichem sehnt: nach Verbindung. Ihr kommt nur von unterschiedlichen Seiten an sie heran.

Was dir helfen kann

  • Nähe, die zu nichts führen muss. Manchen Paaren hilft eine ganz einfache Abmachung: Kuscheln, Umarmen, Händchenhalten gibt es eine Zeit lang einfach so, ohne dass daraus mehr wird. Wenn der Körper merkt, dass keine Erwartung dranhängt, wird Nähe oft wieder leichter.
  • Es aussprechen, in einem ruhigen Moment. Nicht im Bett, nicht direkt nach einer Zurückweisung. Eher bei einem Spaziergang. Und möglichst als Wunsch: “Ich hätte gern wieder mehr Nähe, die sich leicht anfühlt.”
  • Auf dich selbst schauen. Wann fühlst du dich in deinem Körper wohl? Was tut dir gut, ganz unabhängig von ihm? Manchmal ist der erste Schritt, sich selbst wieder zu spüren, bevor man Nähe zu jemand anderem genießen kann.
  • Das schlechte Gewissen ernst nehmen, aber nicht entscheiden lassen. Nähe, die du nur aus Pflicht gibst, macht es auf Dauer meistens schwerer, nicht leichter.

Wenn Nähe dir körperlich wehtut oder du merkst, dass sich deine Lust insgesamt stark verändert hat, sprich bitte auch mit deiner Frauenärztin. Manchmal steckt etwas Körperliches dahinter, das man gut behandeln kann.

Womit du anfangen könntest

  • Wenn du dich zu Nähe gedrängt oder gezwungen fühlst: Das ist mehr als ein Beziehungsthema. Hol dir bitte Unterstützung bei einer Beratungsstelle oder deiner Ärztin.
  • Wenn Nähe körperlich wehtut: Sprich zuerst mit deiner Frauenärztin.
  • Wenn ihr beide darunter leidet und er offen ist: Eine Paarberatung oder eine Sexualberatung kann euch helfen, wieder ins Gespräch zu kommen. Sexualberatung gibt es zum Beispiel bei pro familia.
  • Wenn du dich insgesamt einsam neben ihm fühlst: Lies Einsam in der Beziehung.
  • Wenn du dich in deinem Körper kaum noch spürst und merkst, dass Nähe deshalb so schwer ist: Genau da setzt Nervensystemarbeit an, und das ist ein großer Teil meiner Begleitung Zurück zu mir. Im kostenlosen Kennenlerngespräch kannst du mir ganz in Ruhe erzählen, wo du stehst. Du musst dort nichts erzählen, was du nicht erzählen willst.

Wenn sich Berührung wie eine Erwartung anfühlt, heißt das nicht, dass mit dir etwas falsch ist. Es heißt, dass dein Körper dir etwas sagen will. Und es lohnt sich, ihm zuzuhören.

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Wo stehst du gerade im Dazwischen?

Ein paar Fragen zu ganz alltäglichen Momenten mit ihm und mit dir. Am Ende sagt dir der Selbstcheck nicht, ob du bleiben oder gehen sollst. Er zeigt dir, wo du gerade stehst, was bei dir schon da ist und womit du anfangen könntest.

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Häufige Fragen

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Ist es normal, keine Lust auf Berührung vom eigenen Partner zu haben?
Es ist in langen Beziehungen nichts Ungewöhnliches, dass die Lust auf Nähe schwankt oder über längere Zeit weniger wird. Gründe dafür gibt es viele, von Erschöpfung über unausgesprochene Konflikte bis zu körperlichen Ursachen. Wenn dich das belastet oder wenn Nähe dir körperlich wehtut, sprich bitte auch mit deiner Frauenärztin.
Wie sage ich ihm, dass ich mehr Nähe ohne Sex möchte?
Möglichst als Wunsch und nicht als Vorwurf, und am besten nicht im Moment selbst. Eher in einer ruhigen Situation. Zum Beispiel so etwas wie "Ich würde mich gern öfter einfach an dich kuscheln, ohne dass daraus gleich mehr werden muss. Dann kann ich das viel mehr genießen." Oft ist der andere sogar erleichtert, wenn er endlich versteht, was los ist.
Bedeutet das, dass ich ihn nicht mehr liebe?
Nicht unbedingt. Wenn du sehr erschöpft bist, dich in der Beziehung nicht gesehen fühlst oder Nähe immer mit einer Erwartung verbunden ist, kann sich Berührung schwer anfühlen, auch wenn du ihn liebst. Was dahintersteckt, findest du eher heraus, wenn du dir das ohne Schuldgefühl anschaust.
Aleksandra sitzt im Herbst lachend an einen Baum gelehnt

Über die Autorin

Ich bin Aleksandra.

Ich bin seit über 15 Jahren mit demselben Mann zusammen und kenne das Dazwischen von innen. Heute begleite ich Frauen online mit Nervensystemarbeit (NESC, Ausbildung bei Britta Kimpel), Hypnose nach dem Simpson Protocol (zertifiziert, Hypnoschool Hamburg) und EFT-Tapping (Ausbildung Level 1 und 2 abgeschlossen). Ich sage keiner Frau, ob sie bleiben oder gehen soll. Coaching ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung.

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