Einsam in der Beziehung: Warum du dich neben ihm allein fühlst

Von Aleksandra Veröffentlicht am 5 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt

Einsam in einer Beziehung fühlt man sich oft, wenn man zwar zusammen ist, sich aber mit dem, was einen wirklich beschäftigt, nicht mehr zeigt oder nicht mehr gesehen fühlt. Das passiert in langen Beziehungen meistens schleichend und hat selten nur mit einem von beiden zu tun. Ein guter erster Schritt ist, herauszufinden, wonach genau du dich sehnst, bevor du es ihm sagst.

Ihr redet eigentlich viel. Wer holt das Kind ab, was gibt es am Wochenende, hast du die Rechnung schon bezahlt, wann kommt deine Mutter. Ihr seid ein richtig eingespieltes Team. Und trotzdem sitzt du abends neben ihm und fühlst dich so allein, dass es fast wehtut.

Dieses Gefühl ist so schwer zu erklären, weil von außen ja alles in Ordnung aussieht. Er ist da, er ist kein schlechter Mensch, ihr streitet nicht ständig. Wie kann man sich da einsam fühlen? Ich kenne das sehr gut. Es gab eine lange Zeit, in der ich mich neben meinem Mann so allein gefühlt habe, dass ich fast jeden Abend über Trennung nachgedacht habe, obwohl ich ihn liebe.

Wie kann man sich in einer Beziehung einsam fühlen?

Einsamkeit hat weniger damit zu tun, wie viel Zeit ihr miteinander verbringt, als damit, ob du dich mit dem, was dich wirklich beschäftigt, gesehen fühlst. Man kann jeden Tag zusammen essen, zusammen auf dem Sofa sitzen und zusammen in den Urlaub fahren und sich trotzdem fühlen, als würde der andere einen gar nicht mehr richtig kennen.

In langen Beziehungen passiert das meistens schleichend. Irgendwann fragt keiner mehr so richtig nach. Gespräche drehen sich um Organisation, um die Kinder, um das, was erledigt werden muss. Und du erzählst immer weniger von dem, was in dir vorgeht, weil du das Gefühl hast, es kommt eh nicht an.

Woran du emotionale Einsamkeit erkennen kannst

Das ist keine Checkliste und keine Diagnose. Aber vielleicht erkennst du dich in dem einen oder anderen Punkt wieder:

  • Du erzählst wichtige Dinge zuerst einer Freundin und ihm erst später oder gar nicht.
  • Du hast aufgehört, ihm von dir zu erzählen, weil er sowieso nur halb zuhört.
  • Du fühlst dich erleichtert, wenn er mal ein Wochenende weg ist, und schämst dich ein bisschen dafür.
  • Berührung fühlt sich manchmal eher wie eine Erwartung an als wie Nähe.
  • Ihr funktioniert als Team, aber du weißt nicht mehr so genau, wann ihr euch das letzte Mal wirklich angeschaut habt.

Wenn du hier öfter innerlich genickt hast, dann ist das kein Zeichen, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es ist ein Zeichen, dass dir etwas fehlt, das dir wichtig ist.

Liegt es an ihm oder an mir?

Selten an einem allein. Meistens hat sich über die Jahre eine Art eingespielt, wie ihr miteinander umgeht, und ihr steckt beide da drin.

Was ich bei mir selbst und bei vielen Frauen erlebe: Wenn du über Jahre gelernt hast, deine Wünsche runterzuschlucken, damit es keinen Stress gibt, dann ist das Fiese daran, dass er dich irgendwann auch gar nicht mehr erreichen kann. Er weiß nicht, was dir fehlt, weil du es nicht mehr sagst. Und du sagst es nicht mehr, weil du dich so oft nicht gehört gefühlt hast. Das dreht sich im Kreis, ohne dass einer von euch das so wollte.

Das heißt nicht, dass du schuld bist. Es heißt nur, dass du einen Teil davon verändern kannst, auch wenn er nicht sofort mitmacht.

Was du tun kannst, wenn du dich neben ihm allein fühlst

  • Finde heraus, wonach genau du dich sehnst. “Ich will mehr Nähe” ist für ihn schwer zu greifen. “Ich wünsche mir, dass du mich abends fragst, wie mein Tag war, und mir dabei zuhörst” ist konkret. Oft wissen wir selbst gar nicht so genau, was uns fehlt, bis wir uns die Zeit nehmen, das herauszufinden.
  • Sag es als Wunsch. Ein Satz wie “Ich vermisse es, mit dir zu reden, so wie früher” kommt meistens ganz anders an als “Du interessierst dich ja eh nicht für mich”, auch wenn sich das zweite in dem Moment ehrlicher anfühlt.
  • Bleib bei deinem Wunsch. Das ist für viele Frauen der schwierigste Teil. Du sagst, was du brauchst, er reagiert genervt oder gar nicht, und schon ruderst du zurück. Versuch, dabei zu bleiben, auch wenn es sich unangenehm anfühlt.
  • Sorg auch außerhalb der Beziehung für Verbindung. Freundinnen, Dinge, die dir Freude machen, Zeit für dich. Das ersetzt nicht die Nähe zu ihm, aber es nimmt ein bisschen Druck raus, wenn er nicht der einzige Mensch ist, der dich sehen soll.

Womit du anfangen könntest

Ich sage dir hier ehrlich, was ich an deiner Stelle als Erstes tun würde, je nachdem, wo du gerade stehst.

  • Wenn du Angst vor ihm hast oder er dich kleinmacht und kontrolliert: Dann ist das mehr als Einsamkeit, und ein Coaching ist nicht der richtige Ort dafür. Hol dir bitte andere Unterstützung, zum Beispiel bei einer Beratungsstelle oder deiner Ärztin.
  • Wenn ihr beide merkt, dass ihr euch verloren habt, und er bereit ist, daran zu arbeiten: Dann ist eine Paarberatung wahrscheinlich der beste erste Schritt. Einsamkeit zu zweit lässt sich am leichtesten zu zweit verändern.
  • Wenn du erst mal für dich verstehen willst, was dir eigentlich fehlt: Mach den Selbstcheck, und wenn du magst, schau dir das E-Book Was brauche ich eigentlich? an. Darin geht es genau darum, deine Bedürfnisse wieder zu spüren.
  • Wenn du ohne Geld auszugeben anfangen willst: In meiner kostenlosen Community findest du Audios und Übungen für genau diese Abende.
  • Wenn du merkst, dass du deine Wünsche immer wieder zurücknimmst und allein nicht aus diesem Muster rauskommst: Dann kann eine Begleitung wie Zurück zu mir dir helfen, bei dir zu bleiben, auch wenn es zwischen euch unangenehm wird. Im kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir, ob das gerade das Richtige für dich ist.

Wenn du dich neben ihm allein fühlst, heißt das nicht, dass eure Beziehung vorbei ist. Es heißt, dass du dir mehr Nähe wünschst, als gerade da ist. Und das ist ein ziemlich guter Grund, genauer hinzuschauen. Mehr zu diesem Hin und Her findest du auch im Artikel Soll ich mich trennen, obwohl ich ihn liebe?.

Selbstcheck · 4 Minuten

Wo stehst du gerade im Dazwischen?

Ein paar Fragen zu ganz alltäglichen Momenten mit ihm und mit dir. Am Ende sagt dir der Selbstcheck nicht, ob du bleiben oder gehen sollst. Er zeigt dir, wo du gerade stehst, was bei dir schon da ist und womit du anfangen könntest.

  • kein Urteil
  • nichts wird gespeichert
Selbstcheck starten

Häufige Fragen

Tippe eine Frage an, um die Antwort zu lesen

Ist Einsamkeit in der Beziehung ein Trennungsgrund?
Für sich allein nicht automatisch. Sie ist ein ziemlich deutliches Zeichen, dass zwischen euch etwas fehlt, das dir wichtig ist. Ob sich das wieder ändern kann, hängt davon ab, ob ihr beide etwas verändern wollt und ob du dich mit deinen Wünschen wieder zeigen kannst. Das findest du eher heraus, wenn du es versuchst, als wenn du nur darüber nachdenkst.
Was kann ich tun, wenn er nicht über Gefühle reden will?
Große Gespräche über "uns" sind für viele Menschen schwer, gerade wenn sie sich schnell kritisiert fühlen. Oft funktioniert es besser, klein und konkret anzufangen, zum Beispiel mit einem Wunsch statt mit einer Analyse eurer Beziehung. Und manchmal verändert sich schon etwas, wenn du anders reagierst als sonst, auch ohne dass ihr ein großes Gespräch führt.
Kann sich das Gefühl von Einsamkeit wieder ändern?
Oft ja, versprechen kann ich es dir aber nicht. Einsamkeit in einer langen Beziehung entsteht meistens langsam, über viele kleine Momente, in denen keiner von beiden mehr nachgefragt hat. Genauso langsam kann Nähe auch wieder entstehen, wenn ihr beide bereit seid, dafür etwas zu tun.
Aleksandra sitzt im Herbst lachend an einen Baum gelehnt

Über die Autorin

Ich bin Aleksandra.

Ich bin seit über 15 Jahren mit demselben Mann zusammen und kenne das Dazwischen von innen. Heute begleite ich Frauen online mit Nervensystemarbeit (NESC, Ausbildung bei Britta Kimpel), Hypnose nach dem Simpson Protocol (zertifiziert, Hypnoschool Hamburg) und EFT-Tapping (Ausbildung Level 1 und 2 abgeschlossen). Ich sage keiner Frau, ob sie bleiben oder gehen soll. Coaching ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung.

Mehr über mich und meine Geschichte