Liegt es an mir oder an der Beziehung?

Von Aleksandra Veröffentlicht am 4 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt

Meistens ist es beides, und genau das macht die Frage so schwer. Alte Muster, zum Beispiel sich anzupassen und die eigenen Wünsche runterzuschlucken, können in dir anspringen, und gleichzeitig kann in eurer Beziehung heute wirklich etwas fehlen. Hilfreich ist, beides getrennt anzuschauen, statt dich zu fragen, wer schuld ist.

Du spürst, dass dir etwas fehlt. Und im nächsten Moment fragst du dich, ob das überhaupt an ihm liegt. Vielleicht bist du ja einfach zu empfindlich. Zu anspruchsvoll. Vielleicht würdest du dich in jeder Beziehung so fühlen, und das Problem bist eigentlich du.

Diese Frage kann einen ganz schön zermürben. Denn wenn es an dir liegt, dann wäre eine Trennung ja falsch. Und wenn es an der Beziehung liegt, warum fühlst du dich dann so schuldig, wenn du darüber nachdenkst?

Liegt es an mir oder an ihm?

Meistens an beidem. Und ich sage das nicht, um es mir einfach zu machen.

Bei mir war das so: Ich bin in Bosnien aufgewachsen, meine Eltern haben sich getrennt und mit 14 bin ich mit meiner Mama und zwei Koffern nach Deutschland gekommen. Ich habe sehr früh gelernt, Stimmungen zu lesen, mich anzupassen und bloß keine Umstände zu machen. Das hat mir damals wirklich geholfen. Nur hört man damit nicht einfach auf, wenn man erwachsen ist. In meiner Beziehung ging mein Blick bei jedem kleinen Konflikt sofort zu ihm. Ist er genervt? Habe ich was Falsches gesagt?

Gleichzeitig hat in unserer Beziehung aber auch wirklich etwas gefehlt, das ich mir anschauen musste. Ich habe irgendwann verstanden, dass zwei Dinge gleichzeitig wahr sein können: Eine alte Angst kann in mir anspringen, und trotzdem kann in unserer Beziehung heute etwas fehlen. Das hat für mich ganz viel Druck rausgenommen, weil ich nicht mehr entscheiden musste, wer schuld ist.

Warum die Frage nach der Schuld dich nicht weiterbringt

Solange du dich fragst, ob es an dir oder an ihm liegt, suchst du im Grunde nach einer schuldigen Person. Und dabei kommt meistens eins von beiden heraus: Entweder du gibst dir selbst die Schuld und redest dein Gefühl klein. Oder du gibst ihm die Schuld und fühlst dich danach schlecht, weil er doch eigentlich ein guter Mann ist.

Hilfreicher ist die Frage: Was gehört zu mir, und was gehört zu uns? Was davon sind alte Muster, die schon älter sind als diese Beziehung? Und was ist etwas, das zwischen euch heute wirklich fehlt?

Woran du erkennen kannst, was zu dir gehört

Ein paar Hinweise, ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Deine Reaktion ist größer als der Anlass. Er sagt etwas Harmloses, und in dir zieht sich alles zusammen. Das kann ein Hinweis sein, dass da eine ältere Geschichte mitschwingt.
  • Das Gefühl kommt dir sehr vertraut vor. So, als hättest du es schon gekannt, lange bevor du ihn kennengelernt hast.
  • Du nimmst deine Wünsche zurück, bevor er überhaupt reagiert hat. Du ahnst schon, dass er genervt sein könnte, und machst dich lieber gleich klein.

Das heißt übrigens nicht, dass dein Gefühl falsch ist. Es heißt nur, dass es nicht ausschließlich mit ihm zu tun hat.

Woran du erkennen kannst, was zu euch gehört

  • Dir fehlt etwas Konkretes, und zwar schon lange. Gespräche, Nähe, Unterstützung, gesehen werden.
  • Du hast es klar gesagt, bist dabei geblieben, und es hat sich trotzdem nichts verändert. Das ist ein wichtiger Unterschied zu “Ich habe es mal angedeutet und dann wieder zurückgenommen”.
  • Du fühlst dich in seiner Nähe dauerhaft angespannt, auch wenn gar nichts Besonderes passiert.

Wenn du beim zweiten Punkt merkst, dass du deine Wünsche eigentlich nie wirklich stehen gelassen hast, dann ist das ein guter Ansatzpunkt. Nicht, weil es “an dir liegt”. Eher, weil du ohne diese Erfahrung gar nicht wissen kannst, ob er darauf eingehen würde.

Womit du anfangen könntest

  • Wenn du Angst vor ihm hast, er dich kontrolliert oder kleinmacht: Dann liegt es nicht an dir, und ein Coaching ist nicht der richtige Ort. Hol dir bitte Unterstützung bei einer Beratungsstelle oder deiner Ärztin.
  • Wenn ihr beide merkt, dass etwas fehlt, und er offen ist: Dann kann eine Paarberatung helfen, auseinanderzusortieren, was zu wem gehört. Mehr dazu in Paartherapie, Coaching oder erst mal ich?
  • Wenn du merkst, dass du deine Wünsche immer wieder zurücknimmst: Lies Was brauche ich eigentlich? oder schau dir das E-Book Was brauche ich eigentlich? an.
  • Wenn du erst mal für dich sortieren willst: Mach den Selbstcheck oder fang in meiner kostenlosen Community an.
  • Wenn du spürst, dass alte Muster dich seit Jahren festhalten: Genau dort setze ich in Zurück zu mir an, mit Hypnose für die alten Überzeugungen und mit Nervensystemarbeit für den Körper. Im kostenlosen Kennenlerngespräch sage ich dir ehrlich, ob das gerade passt.

Es muss nicht an dir liegen oder an ihm. Es darf kompliziert sein. Und je genauer du hinschaust, was zu wem gehört, desto leichter wird es, deinem eigenen Gefühl wieder zu trauen.

Selbstcheck · 4 Minuten

Wo stehst du gerade im Dazwischen?

Ein paar Fragen zu ganz alltäglichen Momenten mit ihm und mit dir. Am Ende sagt dir der Selbstcheck nicht, ob du bleiben oder gehen sollst. Er zeigt dir, wo du gerade stehst, was bei dir schon da ist und womit du anfangen könntest.

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Häufige Fragen

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Bin ich zu anspruchsvoll in meiner Beziehung?
Diese Frage stellen sich auffällig oft Frauen, die eher zu wenig für sich einfordern als zu viel. Wenn du dir Nähe, Gespräche und das Gefühl wünschst, gesehen zu werden, ist das nicht anspruchsvoll. Es sind ziemlich grundlegende Wünsche. Ob sie in eurer Beziehung Platz haben, ist eine andere Frage, aber die Wünsche selbst sind in Ordnung.
Wie merke ich, ob alte Muster mitspielen?
Ein Hinweis ist, wenn deine Reaktion größer ist als der Anlass, oder wenn sie sich sehr vertraut anfühlt, so als würdest du sie schon ewig kennen. Zum Beispiel, wenn ein genervter Blick von ihm reicht, damit du sofort alles zurücknimmst. Das heißt nicht, dass dein Gefühl falsch ist. Es heißt nur, dass da vielleicht mehr mitschwingt als dieser eine Moment.
Muss ich erst an mir arbeiten, bevor ich mich trennen darf?
Nein. Ich glaube nicht an "Du musst einfach mehr an dir arbeiten". Wenn du an dir arbeitest, dann für dich, damit du klarer siehst. Nicht als Bedingung, die du erst erfüllen musst, bevor du irgendetwas entscheidest.
Aleksandra sitzt im Herbst lachend an einen Baum gelehnt

Über die Autorin

Ich bin Aleksandra.

Ich bin seit über 15 Jahren mit demselben Mann zusammen und kenne das Dazwischen von innen. Heute begleite ich Frauen online mit Nervensystemarbeit (NESC, Ausbildung bei Britta Kimpel), Hypnose nach dem Simpson Protocol (zertifiziert, Hypnoschool Hamburg) und EFT-Tapping (Ausbildung Level 1 und 2 abgeschlossen). Ich sage keiner Frau, ob sie bleiben oder gehen soll. Coaching ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung.

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