Unglücklich in der Beziehung, aber ich kann mich nicht trennen

Von Aleksandra Veröffentlicht am 5 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt

Wenn du unglücklich bist und dich trotzdem nicht trennen kannst, heißt das nicht, dass du zu feige bist oder dich anstellst. Meistens ziehen zwei Ängste gleichzeitig an dir, die Angst, etwas Gutes wegzuwerfen, und die Angst, dass es für immer so bleibt. Solange beide gleich laut sind, bewegt sich nichts, und das ist eher ein Zeichen von Erschöpfung als von fehlendem Mut.

Vielleicht hast du diesen Satz so oder so ähnlich schon in eine Suchmaschine getippt, irgendwann spät abends, als alle schon schliefen. Unglücklich in der Beziehung, aber ich kann mich nicht trennen. Und vielleicht hast du dich dabei ein bisschen geschämt, weil es sich anfühlt, als müsstest du doch einfach nur eine Entscheidung treffen.

So einfach ist es halt nicht. Und ich möchte dir in diesem Artikel erklären, warum du da feststeckst, und vor allem, was dir helfen kann, wieder ein bisschen Bewegung reinzubringen, ohne dass du heute schon wissen musst, wo es hingeht.

Warum kann ich mich nicht trennen, obwohl ich unglücklich bin?

Meistens, weil zwei Ängste gleichzeitig an dir ziehen, und beide sind berechtigt. Die eine Angst sagt: Was, wenn ich etwas Gutes wegwerfe? Was, wenn ich es später bereue? Die andere sagt: Was, wenn ich in zehn Jahren immer noch genau hier sitze und mich genauso fühle? Ich kenne beide sehr gut. Ich hatte damals Angst, 14 gemeinsame Jahre wegzuschmeißen und später festzustellen, dass es die falsche Entscheidung war. Und gleichzeitig hatte ich Angst, dass ich mich in zehn Jahren immer noch genauso fühle.

Solange diese beiden Ängste ungefähr gleich laut sind, passiert nichts. Du denkst und denkst, und jede neue Überlegung wird von der anderen Seite sofort wieder ausgeglichen. Von außen sieht das aus wie Stillstand. Von innen ist es unglaublich anstrengend.

Dazu kommen oft ganz handfeste Dinge: gemeinsame Kinder, eine Wohnung oder ein Haus, Geld, gemeinsame Freunde, die Familie. Das sind keine Ausreden. Das sind echte Gründe, die eine Trennung schwer machen, und es ist völlig in Ordnung, sie ernst zu nehmen.

Was das Feststecken mit deinem Körper zu tun hat

Etwas, das mir selbst lange nicht klar war: Dieses Feststecken passiert nicht nur im Kopf. Wenn du über lange Zeit unter Anspannung stehst, kann sich fast jede Entscheidung bedrohlich anfühlen, egal in welche Richtung. Bleiben fühlt sich eng an, Gehen fühlt sich beängstigend an, und dein Körper macht das, was er in so einer Lage oft macht: Er hält erst mal still. Viele Frauen beschreiben das als eine Art Erstarren. Man funktioniert weiter, macht den Alltag, aber innerlich ist alles wie eingefroren.

Das ist kein Charakterzug und auch kein Zeichen, dass mit dir etwas falsch ist. Es ist eher ein Schutzmechanismus, der irgendwann mehr festhält als schützt. Und deshalb hilft es auch so wenig, sich selbst mit noch mehr Druck eine Entscheidung abzuverlangen. Mehr dazu, wie ich mit dem Nervensystem arbeite, erkläre ich auf der Seite So arbeite ich.

Unglücklich, aber eigentlich ohne richtigen Grund?

Viele Frauen, die sich so fühlen, haben gar keinen klaren Grund, den sie benennen könnten. Er ist kein schlechter Mensch, es gibt keine Affäre, keinen großen Streit. Und genau deshalb zweifeln sie an sich selbst: Wie kann ich unglücklich sein, wenn doch eigentlich alles okay ist?

Wenn du dich hier wiederfindest, schau mal in meinen Artikel Warum denke ich ständig an Trennung, obwohl nichts Schlimmes passiert ist?. Da gehe ich genau darauf ein.

Muss ich mich jetzt entscheiden?

Nein, nicht heute. Ich glaube sogar, dass der Druck, sich jetzt endlich entscheiden zu müssen, einer der Gründe ist, warum so viele Frauen festhängen.

Zwischen “alles so lassen, wie es ist” und “Koffer packen” gibt es ziemlich viel Raum. Und in diesem Raum kannst du eine Menge herausfinden. Zum Beispiel:

  • Beobachten statt bewerten. Schreib dir eine Woche lang abends kurz auf, wann du dich unglücklich gefühlt hast und was davor passiert ist. Keine Pro-und-Kontra-Liste, nur Beobachtungen. Oft zeigt sich nach ein paar Tagen ein Muster, das du vorher nicht gesehen hast.
  • Ein Bedürfnis sagen und dabei bleiben. Such dir eine kleine Sache aus, die dir fehlt, und sag sie ihm. Und dann (das ist der schwierige Teil) nimm sie nicht gleich wieder zurück, wenn er genervt guckt.
  • Deinem Körper eine Pause geben. Das klingt banal, aber ich musste tatsächlich üben, fünf Minuten nichts zu tun, einen Kaffee zu trinken und aus dem Fenster zu schauen, ohne dabei schon den nächsten Plan zu machen. In so einem Moment hörst du dich manchmal klarer als nach drei Stunden Grübeln.
  • Mit jemandem reden, der kein Interesse am Ausgang hat. Freundinnen und Familie meinen es gut, haben aber oft eine eigene Meinung dazu, was du tun solltest. Manchmal hilft es, mit jemandem zu reden, dem es wirklich egal ist, ob du bleibst oder gehst.

Womit du anfangen könntest

Hier sage ich dir ehrlich, was ich an deiner Stelle als Erstes tun würde. Je nachdem, wo du gerade stehst, ist das nicht immer eine Begleitung bei mir.

  • Wenn du Angst vor ihm hast oder es Gewalt gibt: Dann ist ein Coaching nicht der richtige Ort. Hol dir bitte andere Unterstützung, zum Beispiel bei einer Beratungsstelle oder deiner Ärztin.
  • Wenn vor allem die praktischen Fragen dich festhalten (Geld, Wohnung, Kinder): Lass dich dazu einmal ganz nüchtern beraten, zum Beispiel bei einer Beratungsstelle oder einer Anwältin für Familienrecht. Das heißt nicht, dass du dich trennst. Es nimmt nur einen Teil der Angst vor dem Ungewissen weg, und mit weniger Angst denkt es sich klarer.
  • Wenn er offen ist und ihr beide etwas verändern wollt: Dann ist eine Paarberatung oft der bessere erste Schritt als eine Begleitung nur für dich.
  • Wenn du erst mal herausfinden willst, wo du überhaupt stehst: Mach den Selbstcheck. Er dauert drei Minuten und sagt dir nicht, was du tun sollst. Er zeigt dir, wo es bei dir gerade am meisten hakt.
  • Wenn du ohne Geld auszugeben anfangen willst: In meiner kostenlosen Community findest du Audios für die Abende, an denen sich alles dreht, und einen Mini-Kurs zum Sortieren.
  • Wenn du schon lange feststeckst und merkst, dass du allein immer wieder an derselben Stelle landest: Dann ist eine Begleitung sinnvoll, die beim Körper und bei deinen Mustern ansetzt. Das mache ich in Zurück zu mir. Im kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir zusammen, ob das für dich gerade passt.

Was auch immer du als Nächstes machst: Du musst heute nicht wissen, ob du bleibst oder gehst. Es reicht, wenn du einen kleinen Schritt machst, der dir hilft, dich selbst wieder ein bisschen besser zu hören.

Selbstcheck · 4 Minuten

Wo stehst du gerade im Dazwischen?

Ein paar Fragen zu ganz alltäglichen Momenten mit ihm und mit dir. Am Ende sagt dir der Selbstcheck nicht, ob du bleiben oder gehen sollst. Er zeigt dir, wo du gerade stehst, was bei dir schon da ist und womit du anfangen könntest.

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Häufige Fragen

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Ist es feige, in einer unglücklichen Beziehung zu bleiben?
Nein. Bleiben kann genauso eine gute Entscheidung sein wie Gehen, wenn du sie aus Klarheit triffst. Schwierig wird es eher, wenn du bleibst, weil du dich nicht traust hinzuschauen, und dabei immer unglücklicher wirst. Dann lohnt es sich, ehrlich anzuschauen, was dich eigentlich hält.
Wie lange sollte ich warten, bevor ich mich trenne?
Dafür gibt es keine feste Zahl, und ich würde jeder misstrauen, die dir eine nennt. Hilfreicher ist die Frage, ob sich in der Zeit etwas bewegt. Wenn du seit Jahren an derselben Stelle stehst und nichts anders machst, wird Warten allein dir die Antwort wahrscheinlich nicht bringen.
Kann ich etwas verändern, wenn er nicht mitmacht?
Ein Stück weit ja. Wenn du anfängst, bei deinen Bedürfnissen zu bleiben und anders zu reagieren als sonst, verändert sich die Dynamik zwischen euch fast immer. Ob das am Ende reicht, kann dir niemand vorher sagen. Aber du weißt danach deutlich mehr als heute.
Aleksandra sitzt im Herbst lachend an einen Baum gelehnt

Über die Autorin

Ich bin Aleksandra.

Ich bin seit über 15 Jahren mit demselben Mann zusammen und kenne das Dazwischen von innen. Heute begleite ich Frauen online mit Nervensystemarbeit (NESC, Ausbildung bei Britta Kimpel), Hypnose nach dem Simpson Protocol (zertifiziert, Hypnoschool Hamburg) und EFT-Tapping (Ausbildung Level 1 und 2 abgeschlossen). Ich sage keiner Frau, ob sie bleiben oder gehen soll. Coaching ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung.

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